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Seit ein paar Tagen sind die offiziellen Wettbewerbsfilme des Festivals in Oberhausen veröffentlicht. Liest man diese Liste, so kommt jeder zweite Regisseur dem eifrigen Oberhausenbesucher bekannt vor... Meine Meinung dazu:
Hallo liebe Leute vom Festival Oberhausen,
um es gleich vorweg zu sagen, ihr macht es Euch zu einfach, wenn ihr mein Ärgernis auf die Tatsache schiebt, dass mein Film nicht auf dem Festival gezeigt wurde. Ich mag Euer Festival und ich würde mich freuen dort auch mal einen Film haben, mir ist jedoch auch klar das viele viele bessere Filme auf dieser Welt gibt.
Wogegen er sich allerdings ganz sicher nicht durchsetzen kann, ist der gegen den "Club der Freunde des Festivals Oberhausen" dessen Mitglieder einmal im Jahr zusammentreten um sich gegenseitig ihre neuesten Streifen vorzuführen. Ich würde niemals behaupten, dass die von Euch eingeladenen (deutschen) Filmemacher schlechte Filme machen, gar schlechte Menschen sind. Einige von ihnen kenne ich persönlich und weiss sowohl über ihre herrausragenden künstlerischen Fähigkeiten bescheid, als auch über die Tatsache, dass es nette Menschen sind.
Die Frage, die man sich allerdings stellt ist, wie definiert ihr Euch selber? Ihr seid, und das wisst ihr, eines der wichtigsten Kurzfilmfestivals in Deutschland und je mehr Mainsteam die anderen werden, desto wichtiger werdet ihr für eine bestimmte Gruppe von Filmemachern. Leider hat man bei Euch das Gefühl - und ob das schon immer so war oder mir erst jetzt auffällt kann ich nicht sagen - dass ihr Eure Funktion nicht unbedingt im Entdecken von neuen Perlen unter heranwachsenden Filmemachern seht, sondern im Protegieren eines kleinen Kreises von Leuten. Ein kleine Suche im Internet ergibt, dass von den 22 im deutschen Wettbewerb ausgewählten Filmen in Oberhausen, 18 der Regisseure einen direkten, offensichtlichen Bezug zum Festival haben sei es, dass sie schonmal Filme dort hatten oder sonst irgendwie mit dem Festival oder den Organisatoren verbandelt sind. Wie es mit den übrigen 4 steht wisst ihr sicherlich am besten, zumindest konnte man bei Google keine direkte Verbindung zu "Euch" feststellen, inzwischen würde ich allerdings befürchten, dass es den Bezug auch bei dort gibt.
Die Frage, die ich mir stelle ist, ob ihr _ernsthaft_ behaupten wollt, dass Euer Programm die Auswahl der besten Filme aus den Einreichungen representiert? Wie wäre es wenn ihr ein speziellen Programmblock macht, "Freunde von Oberhausen", wo Mathias Müllers, Oliver Husains, Michael Klöfkorns und Heinz Emigholze einfach von vorneherein laufen werden wenn sie einen Film fertig haben. Oder alternativ einen Programmblock in dem KEINER gezeigt wird, der in den Jahren davor schonmal in Oberhausen lief? Ich meine das absolut ernst, ich fände es total erfrischend wenn man nicht das Gefühl hätte der "deutsche Wettbewerb" wäre Euer persönlicher Videoabend sondern ein reeller Wettbewerb. Oder werdet ihr einach alt ?
Gruss, Till Steinmetz
Kleine Statistik über Eure Auswahl: von den 22 (deutschen) Filmen im Wettbewerb laufen:
- Anna Berger (aus dem Zirkel Michael Klöfkorn, Oliver Husain) - Andreas Bolm (Teilnahme Oberhausen 2003) - Hanna Doose (Teilnahme Oberhausen 2004) - Azin Feizabadi - Jochen Hick (Teilnahme Oberhausen 1987) - Wolfgang Hogekamp (Teilnahme Oberhausen 2004) - Oliver Husain (Trailer für Oberhausen, Diverse Teinahmen Oberhausen, Preisträger von Oberhausen etc.pp) - Michel Klöfkorn (Trailer für Oberhausen, Diverse Teinahmen Oberhausen, Preisträger von Oberhausen etc.pp) - Eva Könnemann - Jan Krüger (Freunde lief auch im NRW Special in Oberhausen) - Jochen Kuhn (Freund des Hause, wird in der Einladung zum 50 Geburtstag des Festivals zitiert) - Matthias Müller (Fast jedes Jahr in Oberhausen) - Daniel Nocke (Oberhausen 2002) - Hanna Nordholt/Fritz Steingrobe (Haben ihr eigenes Special auf Shortfilm.de dem Magazin des Festivals Oberhausen) - Lola Randl (Oberhausen 2004) - Carolin Schmitz (Preisträger / Diverse Teilahmen Oberhausen) - Volker Schreiner (Kollege von Christoph Girardet, Selber Teilnahme in Oberhausen) - Petra Schröder - Sean Snyder - Ute Ströer (Oberhausen 2005) - Jörg Wagner (Leiter der Kurzfilmagentur Hamburg) - Clemens von Wedemeyer (Oberhausen 2005) Und die Antwort: Lieber Till Steinmetz,
herzlichen Dank für Ihre Mail. Ich sehe Ihre Kritik - trotz einiger Untertöne - durchaus konstruktiv und möchte Ihnen gerne antworten. Zunächst einmal ist die Beobachtung, dass eine Reihe der ausgewählten Filmemacher nicht zum ersten Mal in Oberhausen sein werden, nicht verkehrt. In jedem Jahr begrüßen wir einige Filmemacher zum zweiten, dritten etc. Mal, andere sind dann was man gemeinhin als "Nachwuchs" oder "Entdeckungen" bezeichnet. Das Verhältnis ist in diesem Jahr ausgesprochen ungünstig für den sog. "Nachwuchs" ausgefallen, das haben wir auch schon gemerkt. Aber seien Sie sich sicher, dass wir Filme unbedingt und ausschließlich auf Basis ihrer individuellen Qualität (nach unseren eigenen Mäßstäben, nachzulesen auf www.kurzfilmtage.de) auswählen. Das Jahr 2006 ist kein Jahr des Filmhochschulnachwuchses, andere Festivals werden das evtl. ganz anders sehen. Und genau deshalb gibt es ja auch die große Festivalvielfalt in Deutschland, letztlich sogar weltweit.
Übrigens können Sie sich bald auch noch die Mühe machen, nachzurechnen, welche und wie viele Filmemacher, die möglicherweise in ihrem Verständnis zum Oberhausener Club gehören, wir in diesem Jahr abgelehnt haben. Da sind mehr Clubmitglieder und sogar ehemalige Preisträger mit dabei, als Sie sich im Moment vorstellen können. Die Liste wäre bedeutend länger als Ihre. Mein Vorschlag wäre: Könnte man nicht die Tatsache, dass viele uns schon bekannte Personen ausgewählt wurden, auch positiv sehen? Nämlich als einen Prozess des Begleitens von interessanten Filmemachern, die sich in einem schwierigen Feld bewegen (öffentliche Aufmerksamkeit, Finanzierung etc.) und trotzdem weitermachen und der kurzen Form treu bleiben. Wir haben keinen Grund, einen Club aufzumachen, wünschen uns jedes Jahr eine schöne Mischung aus jung und alt, bekannt und unbekannt, Film und Video, Mann und Frau etc., aber am Ende müssen die Filme ihr Versprechen auch halten. Dieses Pendel wird immer in Bewegung sein, mal in diese, mal in jene Richtung, und immer ist es nur eine Momentaufnahme. Das kann nächstes Jahr schon wieder ganz anders aussehen und hat in Oberhausen in den vergangenen Jahren auch ganz anders ausgesehen. Wir suchen Qualität, bekannte und unbekannte. Nachwuchs suchen per definitionem die Festivals Sehsüchte Potsdam oder Up-and-Coming Hannover.
In diesem Sinne glauben wir schon, dass wir einen sehr guten und in diesem Sinne "reellen" Wettbewerb organisieren; denn was ist ein Wettbewerb, wenn er nicht aus den mutmaßlich "besten" Filmen besteht. In einigen Punkten Ihrer Liste muss ich allerdings noch Korrekturen vornehmen, damit kein falscher Eindruck hängen bleibt.
Klöfkorn/Husain/Berger arbeiten oft im Kollektiv, das ist richtig, arbeiten Sie immer allein? Andreas Bolm war auch Kameramann für Alexandra Gulea (ebenfalls schon in Oberhausen gewesen), nur als Ergänzung. Jochen Hick, der nach 19 Jahren wieder in Oberhausen eingeladen ist, als Clubmitglied anzuführen, ist schon ein bißchen übertrieben. Jan Krüger, der hier mal in einem fremdkuratierten Sonderprogramm (Starthilfe NRW, ausgewählt damals vom Filmbüro auf Vorschlag der Filmschulen KHM und FH Dortmund) gelaufen ist, darf man nicht zum Club zählen. Das Magazin shortfilm.de ist zwar von den Kurzfilmtagen ins Leben gerufen geworden, aber 100%ig unabhängig mit eigenem Redakteur. Und Jörg Wagner schließlich ist ein unabhängiger Filmemacher, der vor einigen Jahren mal beim Kurzfilmfestival Hamburg verantwortlich mitgearbeitet hat. Selbst wenn er heute noch für die angegliederte KurzFilmAgentur arbeiten würde, mit dem Festival/der Agentur dort verbindet uns eine kreative positive Konkurrenz, jedoch keine Dienstbarkeit.
Ich finde es etwas schade, dass Sie Ihre Argumentation im Wesentlichen dadurch begründen, nicht sehr positiv über die Arbeit von Kollegen zu schreiben. Vielleicht darf ich Ihnen einfach anbieten, unserer Festival dieses Jahr zu besuchen, damit Sie Ihren eigenen Eindruck gewinnen, ob sich unsere Qualitätsansprüche mit den ausgewählten Filmen decken.
Mit freundlichen Grüßen aus Oberhausen, Carsten Spicher
from the desk of: Carsten Spicher Deutscher Wettbewerb / German Competition Archiv / archive Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH International Short Film Festival Oberhausen Grillostr. 34 46045 Oberhausen Germany www.kurzfilmtage.de 52. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 4.-9. Mai 2006 52nd International Short Film Festival Oberhausen, May 4-9, 2006
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