| Brief an das Festival Oberhausen |
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Seit ein paar Tagen sind die offiziellen Wettbewerbsfilme des Festivals in Oberhausen veröffentlicht. Liest man diese Liste, so kommt jeder zweite Regisseur dem eifrigen Oberhausenbesucher bekannt vor... Meine Meinung dazu: Hallo liebe Leute vom Festival Oberhausen,
Und die Antwort:
Lieber Till Steinmetz, herzlichen Dank für Ihre Mail. Ich sehe Ihre Kritik - trotz einiger Untertöne - durchaus konstruktiv und möchte Ihnen gerne antworten. Zunächst einmal ist die Beobachtung, dass eine Reihe der ausgewählten Filmemacher nicht zum ersten Mal in Oberhausen sein werden, nicht verkehrt. In jedem Jahr begrüßen wir einige Filmemacher zum zweiten, dritten etc. Mal, andere sind dann was man gemeinhin als "Nachwuchs" oder "Entdeckungen" bezeichnet. Das Verhältnis ist in diesem Jahr ausgesprochen ungünstig für den sog. "Nachwuchs" ausgefallen, das haben wir auch schon gemerkt. Aber seien Sie sich sicher, dass wir Filme unbedingt und ausschließlich auf Basis ihrer individuellen Qualität (nach unseren eigenen Mäßstäben, nachzulesen auf www.kurzfilmtage.de) auswählen. Das Jahr 2006 ist kein Jahr des Filmhochschulnachwuchses, andere Festivals werden das evtl. ganz anders sehen. Und genau deshalb gibt es ja auch die große Festivalvielfalt in Deutschland, letztlich sogar weltweit. Übrigens können Sie sich bald auch noch die Mühe machen, nachzurechnen, welche und wie viele Filmemacher, die möglicherweise in ihrem Verständnis zum Oberhausener Club gehören, wir in diesem Jahr abgelehnt haben. Da sind mehr Clubmitglieder und sogar ehemalige Preisträger mit dabei, als Sie sich im Moment vorstellen können. Die Liste wäre bedeutend länger als Ihre. Mein Vorschlag wäre: Könnte man nicht die Tatsache, dass viele uns schon bekannte Personen ausgewählt wurden, auch positiv sehen? Nämlich als einen Prozess des Begleitens von interessanten Filmemachern, die sich in einem schwierigen Feld bewegen (öffentliche Aufmerksamkeit, Finanzierung etc.) und trotzdem weitermachen und der kurzen Form treu bleiben. Wir haben keinen Grund, einen Club aufzumachen, wünschen uns jedes Jahr eine schöne Mischung aus jung und alt, bekannt und unbekannt, Film und Video, Mann und Frau etc., aber am Ende müssen die Filme ihr Versprechen auch halten. Dieses Pendel wird immer in Bewegung sein, mal in diese, mal in jene Richtung, und immer ist es nur eine Momentaufnahme. Das kann nächstes Jahr schon wieder ganz anders aussehen und hat in Oberhausen in den vergangenen Jahren auch ganz anders ausgesehen. Wir suchen Qualität, bekannte und unbekannte. Nachwuchs suchen per definitionem die Festivals Sehsüchte Potsdam oder Up-and-Coming Hannover. In diesem Sinne glauben wir schon, dass wir einen sehr guten und in diesem Sinne "reellen" Wettbewerb organisieren; denn was ist ein Wettbewerb, wenn er nicht aus den mutmaßlich "besten" Filmen besteht. In einigen Punkten Ihrer Liste muss ich allerdings noch Korrekturen vornehmen, damit kein falscher Eindruck hängen bleibt. Klöfkorn/Husain/Berger arbeiten oft im Kollektiv, das ist richtig, arbeiten Sie immer allein? Andreas Bolm war auch Kameramann für Alexandra Gulea (ebenfalls schon in Oberhausen gewesen), nur als Ergänzung. Jochen Hick, der nach 19 Jahren wieder in Oberhausen eingeladen ist, als Clubmitglied anzuführen, ist schon ein bißchen übertrieben. Jan Krüger, der hier mal in einem fremdkuratierten Sonderprogramm (Starthilfe NRW, ausgewählt damals vom Filmbüro auf Vorschlag der Filmschulen KHM und FH Dortmund) gelaufen ist, darf man nicht zum Club zählen. Das Magazin shortfilm.de ist zwar von den Kurzfilmtagen ins Leben gerufen geworden, aber 100%ig unabhängig mit eigenem Redakteur. Und Jörg Wagner schließlich ist ein unabhängiger Filmemacher, der vor einigen Jahren mal beim Kurzfilmfestival Hamburg verantwortlich mitgearbeitet hat. Selbst wenn er heute noch für die angegliederte KurzFilmAgentur arbeiten würde, mit dem Festival/der Agentur dort verbindet uns eine kreative positive Konkurrenz, jedoch keine Dienstbarkeit. Ich finde es etwas schade, dass Sie Ihre Argumentation im Wesentlichen dadurch begründen, nicht sehr positiv über die Arbeit von Kollegen zu schreiben. Vielleicht darf ich Ihnen einfach anbieten, unserer Festival dieses Jahr zu besuchen, damit Sie Ihren eigenen Eindruck gewinnen, ob sich unsere Qualitätsansprüche mit den ausgewählten Filmen decken. Mit freundlichen Grüßen aus Oberhausen, Carsten Spicher from the desk of: Carsten Spicher Deutscher Wettbewerb / German Competition Archiv / archive Internationale Kurzfilmtage Oberhausen gGmbH International Short Film Festival Oberhausen Grillostr. 34 46045 Oberhausen Germany www.kurzfilmtage.de 52. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, 4.-9. Mai 2006 52nd International Short Film Festival Oberhausen, May 4-9, 2006
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