Aufforderung

Aufforderung

AUFFORDERUNG ist eine visuelle Auseinandersetzung mit dem Bauwerk des Denkmal für die ermordeten Juden Europas, dieauch auf die politische, gesellschaftliche Dimension des Bauwerks verweißt. Indem Bildmetaphern und auditive Brüche gegen die monolithische Monumentalarchitektur gesetzt werden, wird deren Ästhetik unterlaufen oder konterkariert. Die Widersprüchlichkeiten, die sowohl in der Konzeption, als auch in der Rezeption eines Denkmals an sich, und in diesem Falle im Besonderen, existieren, werden offengelegt.

Das Holocaustmahnmal, wie es im allgemeinen Sprachgebrauch genannt wird, und damit schon auf eine Vereinnahmung bzw. eine Vereinfachung verweißt, ist eine Zweckarchitektur, die trotz, oder gerade wegen seiner formalen Offenheit komplementäre Folgerungen evoziert.

So ist das Denkmal von offizieller, politischer Seite nicht nur eine Anerkennung des begangenen Unrechts, und der damit aufgeladenen Schuld, sondern ebenso eine Ehrung der ermordeten Juden. Es kann und soll keine Entschädigung oder Wiedergutmachung sein. Und dennoch, innerhalb einer Gesellschaft, die geprägt ist von der christlichen Heilslehre, ist eine derartige gigantische, skulpturale Materialisation einer Kollektivschuld gleichzeitig eine Manifestation der kollektiven Sühne, und damit einer Beendigung. Als ewige Narbe innerhalb des Stadtbilds wird es zu einer Projektionsfläche, die zum Stellvertreter einer individuellen verantwortlichen Rezeption werden kann.

 Von außen betrachtet, ist das Stelenfeld des Denkmals überschaubar, in strenger Geometrie geordnet und gibt den Blick über den Umraum frei. Folgt man der vorgegebenen Struktur der Architektur, wird man schnell von den Stelen überragt und spürt eine labyrinthische Irritation. Als eine Art von Interaktionspark bezieht das Denkmal jeden mit ein, zwischen Verwirrung und Verstand.

Die paradoxe Mischung aus Agoraphobie und Klaustrophobie wird in AUFFORDERUNG durch eine subjektive „Führung“ aufgegriffen. So wird der Betrachter durch die Betonmonolithen geführt, dessen Spielregeln und Choreographie vom Objekt selbst vorgegeben werden. Durch die Parallelmontage tangotanzender Lehrer, die eine Schrittfolge vorführen, wird die Irritation verstärkt und nimmt damit Bezug auf die beabsichtigten Bewegungs- und Denkmuster beziehungsweise derer Unbestimmtheit. Auch innerhalb einer, vielleicht neuen, Erinnerungskultur und Denkmalspolitik. Das Volk versucht zu tanzen.